Verfluchte Rom einst vegetarisch lebende Christen ?

Suchmaschinen im Internet bringen Informationen, die darauf hinweisen, daß Jesus, seine Jünger und die Urchristen  wegen Ablehnung von Schlacht- und Blutopfern verfolgt wurden. Dazu hier einige Beispiele:

Papst Johannes III. (561-574) belegte die Vegetarier mit dem Bannfluch. Er verkündete auf der 1. Synode von Braga in Portugal: Wenn jemand Fleischspeisen, die Gott den Menschen zum Genuß gegeben hat, für unrein hält und auf sie verzichtet, der sei mit diesem Bannfluch belegt."



Aber schon 326 erließ Kaiser Konstantin das sogenannte "Häretiker"-Gesetz, das es erlaubte, die vegetarisch lebenden Urchristen grausam zu verfolgen und zu vernichten. Versammlungen von Christen, die sich nicht der römischen Staats-Kirche unterordneten, wurden verboten, Zuwiderhandlung mit Enteignungen, Folter und Tod bestraft. Die Urchristen lösten sich auf und gingen in den Untergrund. Die meisten beugten sich schließlich der Gewalt.

Papst Damasius I. erteilte im 4. Jahrhundert Hieronymus (347-419) den Auftrag, eine Bibel im Sinne der kath. Kirche herzustellen. Zugrundeliegende bekannte lateinischen Evangelien wurden an vielen Stellen verändert ! - Kirchenvater Hieronymus war Kenner der ursprünglichen christlichen Lehren und der amtlich bestellte Ersteller unserer Bibel (Vulgata). Er sprach sich in einem Brief an Juvenian selbst gegen den Fleischverzehr aus, indem er ihm schrieb:

"Der Genuß von Tierfleisch war bis zur Sintflut unbekannt; seit der Sintflut aber gibt man uns die Nerven und den stinkenden Saft des Fleisches unter die Zähne, gleich wie man dem murrenden Volk in der Wüste Wachteln vorwarf. Jesus Christus, der am Ende der Tage gekommen ist, hat das Ende an den Anfang zurückgeführt, so daß es uns heute nicht mehr gestattet ist, Fleisch zu essen."

Nachdem die katholische Kirche unter Kaiser Konstantin I. (285-337 n.Chr.) eine mächtige Staatsreligion geworden war, zementierte sie ihre Macht und Herrschaftsansprüche rücksichtslos. Es dauerte nicht lange und es folgten die ersten Inquisitionsmorde, die alle Andersdenkenden und Andersgläubigen das Leben zur Hölle machten. Für die freien Urchristen war die vegetarische Ernährung selbstverständlich. Auch liebten sie nicht die heidnischen Zeremonien und Machtansprüche der Staatskirche, sondern die menschenfreundlichen Gebote Jesu, die sie noch kannten. Deswegen wurden sie brutal bekämpft. Aber auch in den eigenen Reihen der Kirchenfürsten wurde aufgeräumt:

Als erstes Inquisitionsopfer wurden 386 n.Chr. der Spanier Priscillian und 6 Landsleute von ihm in Trier hingerichtet, weil sie Vegetarier waren und sich nicht an die Blut-Opfer-Anordnungen Mosis hielten. Dabei war Priscillian 4 Jahre zuvor erst selbst zum Bischof von Avila geweiht worden und folgte lediglich einer (arglistigen) Einladung Roms nach Trier.

Wer damals den Urchristen, also den schon mehrere hundert Jahre alten etablierten Christengemeinden, irgendwie half z.B. Versammlungsräume zur Verfügung stellte, wurde enteignet und für vogelfrei erklärt. Die naturverbundenen und friedliebenden Christengemeinden wurden grausam verfolgt und ihre heiligen Schriften verbrannt, wo immer man sie fand. Kaiser Konstantin ließ überdies den auf Alkohol verzichtenden und vegetarisch lebenden "Irrlehrern" flüssiges Blei in den Hals schütten (Quelle:Carsten Strehlow, Vegetarismus / Veganismus als Bestandteil des Christentums, Berlin 2000, S. 49).

Jahrhunderte hindurch verfolgte Rom alle, die sich vegetarisch ernährten. Sie wurden als "Ketzer" und "Häretiker" verleumdet. Tiere aber wurden zur Sache gemacht. Kirchenlehrer Augustinus und Thomas von Aquin erklärten Tiere für seelenlos. Auch behaupteten sie, daß Frauen keine unsterbliche Seele wie die Männer hätten ! - Beide wurden heilig gesprochen !

Christen, "die sich zur Zeit der Inquisition weigerten, Tiere zu töten, wurden gezwungen, entweder öffentlich ein Tier zu schlachten, oder wurden als Ketzer aufgehängt. 1051 wurden mehrere sogenannte Ketzer zum Tode verurteilt, weil sie es ablehnten, Hühner zu töten und zu essen.“ (Carsten Strehlow, s.o.)


Wenn man das weiß, so wundert es einen nicht, daß die wichtigsten christlichen Feste Ostern und Weihnachten auch die größten Schlachtfeste der Christen sind. Selbst die ärmsten Katholiken haben sich angewöhnt, an Festtagen Fleisch zu essen und am Freitag Fisch. Das sitzt heute noch allen echten Katholiken im Blut und nicht nur denen... Es glauben die meisten Menschen heutzutage, daß Vegetarier etwas falsch machen.

Die Ernährungswissenschaftler bewiesen aber längst, daß Vegetarier gesünder und länger leben als Mischköstler und daß Fleisch nicht so lebensnotwendig sei, wie man früher annahm... Im Gegenteil: Viele Zivilisationskrankheiten, besonders rheumatische Erkrankungen wie Gicht sowie Herz-und Kreislauferkrankungen und auch verschiedene Krebsarten sind ernährungsbedingt, wobei vor allem das rote Fleisch und das Fett dieser Tiere eine Hauptrolle spielen, besonders das von Schweinen, wovor ja auch die Bibel warnt. Auch Muslime und Juden essen kein Schweinefleisch.  So gesehen lagen die Urchristen mit dem "Evangelium des vollkommenen Lebens" und einem vegetarisch lebenden Jesus goldrichtig. Jesu Weigerung  zum Pascha das obligatorische Lamm zu schlachten führt wahrscheinlich dazu, daß  ER als Lamm ans Kreuz genagelt wurde in der Stunde, als alle Juden ihr Lamm schlachteten.



Hat die Bibel denn nicht recht ?

Man könnte einwenden, daß in der Bibel doch Jesus selbst Wein trank, Fisch und Fleisch aß. Hier muß man darauf hinweisen, daß die Bibel erst im späten 4. Jahrhundert nach Christus entstand. Kirchenvater Hieronymus tat dies im Auftrag von Papst Damasius I und nach dessen Vorgaben. Damasius eroberte den "Stuhl Petri", also den Papstthron, übrigens sehr blutig und rücksichtslos. Er war kein frommer Mann, sondern bekannt für ein sehr ausschweifendes Leben (Ammianus Marcellinus, Röm. Geschichte 27, 3, 4, zitiert nach A. M. Ritter, Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen, Band 1, S. 173) . Somit war es gewiß nicht der Heilige Geist, der den Auftrag erteilte, die Bibel, die Vulgata, zu schreiben, die viel später auf dem Konzil von Trient (1545-1563) zu unrecht als "fehlerlos" und vom "Geist Gottes" eingegeben erklärt wurde.

Dazu ein Auszug aus einem Brief von Hieronymus an seinen obersten Dienstherren Papst Damasius I.:
(Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, http://www.kirchenlexikon.de/d/damasus_i_p.shtml)
"Du zwingst mich, ein neues Werk aus einem alten zu schaffen, gleichsam als Schiedsrichter zu fungieren über Bibelexemplare, nachdem diese seit langem in aller Welt verbreitet sind, und, wo sie voneinander abweichen, zu entscheiden, welche mit dem authentischen griechischen Text übereinstimmen. Es ist ein Unterfangen, das ebenso viel liebevolle Hingabe verlangt, wie es gefährlich und vermessen ist; über die anderen zu urteilen und dabei selbst dem Urteil aller zu unterliegen; in die Sprache eines Greises ändernd einzugreifen und eine bereits altersgraue Welt in die Tage ihrer ersten Kindheit zurückzuversetzen......
Wird sich auch nur einer finden, sei er gelehrt oder ungelehrt, der mich nicht, sobald er diesen Band [die Überarbeitung der Evangelien] in die Hand nimmt und feststellt, dass das, was er hier liest, nicht in allem den Geschmack dessen trifft, was er einmal in sich aufgenommen hat, lauthals einen Fälscher und Religionsfrevler schilt, weil ich die Kühnheit besaß, einiges in den alten Büchern zuzufügen, abzuändern oder zu verbessern? Zwei Überlegungen sind es indes, die mich trösten und dieses Odium auf mich nehmen lassen: zum einen, dass du, der an Rang allen anderen überlegene Bischof, mich dies zu tun heißest; zum anderen, dass, wie auch meine Verleumder bestätigen müssen, in differierenden Lesarten schwerlich die Wahrheit anzutreffen ist. Wenn nämlich auf die lateinischen Texte Verlass sein soll, dann mögen sie bitte sagen: Welchen? Gibt es doch beinahe so viele Textformen, wie es Abschriften gibt. Soll aber die zutreffende Textform aus einem Vergleich mehrerer ermittelt werden, warum dann nicht gleich auf das griechische Original zurückgehen und danach all die Fehler verbessern, ob sie nun auf unzuverlässige Übersetzer zurückgehen, ob es sich bei ihnen um Verschlimmbesserungen wagehalsiger, aber inkompetenter Textkritiker oder aber einfach um Zusätze und Änderungen unaufmerksamer Abschreiber handelt?
Nun zu meinem Vorwort zum Neuen Testament:
Matthäus, Markus, Lukas, Johannes; sie sind von uns nach dem Vergleich mit griechischen Handschriften - freilich alten! - überarbeitet worden. Um jedoch allzu große Abweichungen von dem lateinischen Wortlaut, wie man ihn aus den Lesungen gewohnt ist, zu vermeiden, haben wir unsere Feder im Zaum gehalten und nur dort verbessert, wo sich Änderungen des Sinns zu ergeben schienen, während wir alles übrige so durchgehen ließen, wie es war.“

Quelle:A. M. Ritter, Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen, Bd. 1 - Alte Kirche, S. 181 f.; im Original bei J. P. Migne, Patrologiae cursus completus, series Graeca (MPG) 29, Sp. 525 ff. .

Außerdem  Kirchenlexikon http://www.kirchenlexikon.de/