I. Adams erste Frau

II. Morgenstern Luzifer

 

 

I.

 

Wie im Talmud berichtet schuf Gott an Adams Seite eine Frau namens Lilith. Vergeblich wird man die Geschichte von Lilith in der Bibel suchen. Dort steht aber immer noch auf den ersten Seiten, daß Gott ein Menschenpaar erschuf (Genesis1,1), und später erst in Genesis1,2 die irdische Eva aus Adams Rippe. Die 1.Frau Adams aus Genesis1,1 war die Adam gleichgestellte Lilith. Die später erschaffene Frau Eva in Genesis 1,2 aus Adams Rippe stellt eine ganz andere Schöpfungs-Version dar. Eva wurde "dem Menschen Adam" als seine irdische Gehilfin gegeben. Letzteres steht auch wieder so in der modernen Einheitsübersetzung der katholischen Bibel. Demnach ist die Eva nicht einmal ein Mensch, denn sie wurde dem Menschen Adam gegeben - was dann? Die Geschichte klingt jedenfalls sehr verbogen und unecht.- Eine gleichberechtigte Lilith war den Patriarchen im alten Jerusalem und später im ganzen römischen Reich jedenfalls ein Dorn im Auge und sie bemühten sich, Lilith als verteufeltes Weib darzustellen, die Männern verführt und eine Gegnerin des Herrn sei. In die römische Bibel wurde sie überhaupt gar nicht erst aufgenommen.

 

Lilith war nicht nur gleichgestellt mit Adam, sie war auch schön und intelligent. Moderne Frauen-Organisationen in Israel bemühen sich heute um ihre Gleichstellung mit den Männern nach Talmud bzw. nach der ersten Schöpfungsgeschichte und weisen auf Lilith hin. Lilith bedeutet für sie schlicht Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit.

 

 

 

Ein jüdisch-feministischer Midrasch zu den Jamim Noraim

Für eine Versöhnung mit Lilith

von Marianne Wallach-Faller nach Judith Plaskow

 

Jüdische Feministinnen verwenden gern die alte Form des Midrasch, um ihre Anliegen zu formulieren. Besonders um die Gestalt Liliths, der ersten Frau Adams (nach einer Interpretation des ersten Schöpfungsberichts), kreisen solche neuen Midraschim gern. Der folgende Midrasch übernimmt Elemente der alten Erzählungen um Lilith. Er schreibt aber auch den bekanntesten feministischen Midrasch weiter, Judith Plaskows „Das Kommen Liliths".

 

Am Anfang schuf Gott Adam und Lilith aus dem Staub der Erde und blies ihnen den Lebensatem ein. Da sie beide gleich erschaffen worden waren, waren sie einander in jeder Hinsicht gleichgestellt. Adam, als Mann, passte dies nicht, und er verlangte von Lilith, dass sie sich ihm unterordne. Lilith weigerte sich, rief Gottes heiligen Namen an und flog weg. Sofort beklagte sich Adam darüber bei Gott. Gott schickte drei Boten zu Lilith, um sie zur Rückkehr zu Adam aufzufordern. Sonst werde sie bestraft. Lilith aber wollte nicht mit einem Mann zusammenleben, der sie nicht als Gleichgestellte behandelte, und sie beschloss, dort zu bleiben, wo sie war.

 

Als Ersatz für Lilith "baute" (banah, 1. Mose 2. 22) Gott für Adam eine zweite Frau aus Adams Seite: Eva, die nun nicht mehr gleich wie Adam "erschaffen" (jazar, 1. Mose 2. 7), sondern als "eine Hilfe ihm gegenüber" "gebaut" wurde. Während des Schöpfungsprozesses wurde so, entgegen Gottes ursprünglichem Schöpfungsplan, die Frau verkleinert - so wie dies auch beim Mond gegenüber der Sonne geschehen war (Chullin 60 b).

 

Adam und Eva waren zunächst glücklich miteinander. Mit der Zeit aber verspürte Eva gelegentlich Fähigkeiten in sich, die unentwickelt blieben, und Adam begann sich mit der angepassten Eva zu langweilen. Immer häufiger träumte er von Lilith, und eines Tages überstieg Adam, als Eva gerade am Kochen war, die Mauer des Gartens Eden, um Lilith zu suchen. Er dachte, ihr fehle sicher der Mann, sodass er sie leicht zu seiner Nebenfrau machen könnte. Als er Lilith fand, war sie gerade mit dem Studium der Tora beschäftigt - nicht unserer Tora aus Tinte und Pergament, sondern der mit schwarzem Feuer auf weisses Feuer geschriebenen Ur-Tora, die auf Gottes Knie ruht. Auch Adam studierte gelegentlich die Ur-Tora, und er gab vom Gelernten an Eva das weiter, was ihn für sie gut dünkte und ihm nützte. Lilith freute sich über Adams Besuch, da sie hoffte, mit ihm zusammen die Tora studieren zu können. Aber es störte Adam, dass sie gleich viel oder teilweise noch mehr wusste als er, und er weigerte sich, mit ihr zu lernen. Statt dessen versuchte er, Lilith zu seiner Nebenfrau zu machen. Als ihm dies nicht gelang, kehrte er zu Eva zurück. Nun begann er immer intensiver von Liliths unerreichbarer Schönheit zu träumen. Eva aber erzählte er (indem er die Situation umkehrte), dass Lilith nachts zu ihm geflogen komme, um ihn zu verführen. Sie sei eine Dämonin und mit dem Satan liiert.

 

In Wahrheit aber interessierte sich der Satan weniger für die starke und gelehrte Lilith als für die angepasste und frustrierte Eva, der er Schlechtes über Lilith erzählte. Auch plante er die Vertreibung Adams und Evas aus dem Garten Eden. Eva war empfänglich für das Böse, das der Satan von Lilith erzählte, und sie glaubte auch Adams verdrehte Geschichten über Lilith. Inzwischen machte Lilith, die völlig allein war, hin und wieder den Versuch, in die menschliche Gemeinschaft im Garten zurückzukehren. Nach ihrem ersten vergeblichen Versuch, die Mauern zu durchbrechen, verstärkte Adam die Mauer, und Eva half ihm sogar noch dabei. Dabei erhaschte Eva einen Schimmer von Lilith und sah, dass sie eine Frau war wie sie.

 

Jetzt hätten bei Eva eigentlich Zweifel aufkommen sollen, ob die Geschichten Adams und des Satans, Lilith sei eine Dämonin, wirklich stimmten. Sie hätte sich eigentlich bemühen sollen, Lilith als andere Frau, als Schwester wirklich kennenzulernen. Eva und Lilith hätten so gemeinsam die Verkleinerung der Frau wieder rückgängig machen, damit den ursprünglichen Schöpfungsplan verwirklichen und die Erlösung herbeiführen können. Sie hätten dabei die Unterstützung Gottes gehabt, da Gott wachsende Probleme mit Adam hatte,der sich mehr und mehr mit Gott identifizierte und immer mächtiger wurde.

 

Doch das Gift, das Adam und der Satan Eva eingespritzt hatten, war stärker. Statt sich zu fragen, was sie in ihrem Leben und in ihrer Beziehung zu Adam ändern müsste, um aus ihrer Unzufriedenheit herauszufinden, stilisierte sie sich (zumal sie inzwischen einen Sohn geboren hatte) zu einer Art rundum glücklichen Muttergöttin hoch, wozu Adam sie auch noch ermunterte. Gleichzeitig blickte sie voll Verachtung auf die gelehrte Lilith, die Gleichstellung mit Adam wollte. Sie dichtete Lilith alles Böse an, das sie in sich selbst verspürte und das dem strahlenden Bild, das sie sich von sich selbst machte, widersprach.

 

Als Eva eines Tages der Gartenmauer entlangspazierte, sah sie einen jungen Apfelbaum, den sie und Adam einst gepflanzt hatten und dessen Zweige über die Mauer hinüberhingen. Sie kletterte hinauf und schaute über die Mauer. Drüben hatte Lilith auf diesen Augenblick gewartet und kam voll Freude zu Eva, in der Hoffnung, in ihr eine Schwester zu finden. Eva jedoch wollte nur die Gelegenheit benützen, um alles Dunkle in sich auf Lilith zu laden und sie damit in die Wüste zu schicken. Sie warf Lilith alle Verleumdungen an den Kopf, die ihr Adam und der Satan über Lilith eingeflüstert hatten, und beschimpfte sie als ehrgeizige Egoistin, die nicht bereit sei, sich für Adam aufzuopfern, und die nicht geduldig warten konnte, bis Adam ihr gewisse Dinge zu tun erlaubte. Lilith wandte Eva enttäuscht den Rücken zu und ging weg.

 

Seither wartet Lilith jedes Jahr, wenn die Zeit von Rosch Haschana, dem Geburtstag der Schöpfung, und von Jom Kippur, dem Versöhnungstag, herannaht, darauf, dass Adam und Eva zu ihr kommen, um sich mit ihr zu versöhnen, damit sie gemeinsam die Verkleinerung der Frau rückgängig machen und so den ursprünglichen Schöpfungsplan verwirklichen und die Erlösung herbeiführen können. Die Söhne Adams und die Töchter Evas und Liliths tragen den Zwiespalt zwischen den ersten Menschen bis in unsere Zeit weiter. Bis heute werden Liliths Töchter weiter ausgegrenzt. Die Zeit von Rosch Haschana und Jom Kippur wäre ein guter Zeitpunkt, um dies zu überdenken und sich zu versöhnen - und um den ursprünglichen Schöpfungsplan endlich zu verwirklichen.

 

 

 

 

II.

 

Der hell strahlende Morgenstern Luzifer

 

Satan war der Hungrige, der Seelen Räuber und im Alten Testament der Versucher. - Aber wie kam Luzifer zu seinem schlechten Ruf? - Genauso wie Lilith. Lilith kam aus dem Himmel und wurde als Gefallene dargestellt. Sie ging übrigens wieder dahin zurück. Der Gott, der sie zurückschicken wollte, war nicht das göttliche Schöpferpaar die ELOHIM, sondern JHWH, der keine Macht über Lilith hatte. Sie gehorchte ihm nicht, sondern rief das Schöpferpaar an. - Auch Luzifer kam aus dem Himmel als Licht in die Finsternis.

 

Zuerst war der Name "Luzifer" positiv besetzt. Er war der Lichtbringer, der Licht und Wahrheit in die geistig finstere Welt brachte, dem die Sonne folgte. Das lateinische Wort "Luzifer" heißt auf Deutsch "Lichtbringer" und gemeint ist der Morgenstern. Der Morgenstern ist die hell strahlende Venus, welche das Ende der Nacht und das kommende Sonnenlicht ankündigt. Im Buch Hiob11, Hiob38, den Psalmen108 und anderen Stellen der Heiligen Schriften wird der Morgenstern gepriesen und nicht mit Satan oder Teufel in Verbindung gebracht. Nicht im Entferntesten!

Im 2.Petrusbrief1, 19 des Neuen Testaments steht sogar, daß es nötig ist, daß das Licht des Morgensterns in der Finsternis uns leuchte, damit in unserem Herzen der Morgenstern aufgehen möge!

 

In der Offenbarung des Johannes 22,16 , ganz am Ende der Bibel, sozusagen als Abschluß des Evangeliums, bezeichnet sich Jesus sogar selbst als der strahlende Morgenstern:

 

Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, um euch dies vor den Gemeinden zu bezeugen. Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids, der strahlende Morgenstern (lateinisch: Luciferus).

 

In den ersten Jahrhunderten lobten die Christen Jesus zudem nicht nur als den "Christus" sondern als den Lichtbringer, den Morgenstern, Luzifer. Der "Heilige Lucifer" war im 4. Jahrhundert der Name eines Bischofs und in der Osternacht-Liturgie wird Luzifer (Jesus Christus) besungen "Flammas eius lucifer matutinus inveniat, ille, inquam, lucifer, qui nescit occasum." als Morgenstern, der ewig nicht untergeht.

 

Die alte römische Kirche hat es aber geschafft, eine Verbindung herzustellen zwischen dem strahlenden Morgenstern der Bibel und der Göttin Venus und dem Teufel . . . und seitdem ist was faul an der Übersetzung und Luzifer wurde zum Teufel. Aber nicht für alle! Das berühmte größte binokulare Telekop der Welt, mit dem man die besten Infrarot-Aufnahmen vom Weltall machen kann, gehört dem Vatikan - und er nannte es Lucifer. Ein sehr passender Name auch für ein Teleskop zur Himmelsbeobachtung! Humanistisch Gebildete, welche gewöhnlich Latein und Griechisch gelernt haben, werden in "Phosphorus" und "Luzifer" nach wie vor nicht den Teufel oder Satan sehen sondern den Lichtträger und den Lichtbringer, etwas Positives und wie in der Johannes-Offenbarung eben Jesus Christus. Übrigens erwarten auch die Muslime am Ende der Zeit die Wiederkunft Jesu, zwar nicht als Gott aber als seinen Gesandten, in Glanz und Gloria, mächtig und siegreich (hier natürlich für die Muslime :-)

 

 

Früher sagten Christen: Luzifer ist Jesus Christus, der strahlende Morgenstern. Heute sagen Christen: Luzifer ist Satan.