*

Geister und Seelen



Geister und Seelen spielen seit Menschengedenken in  Religionen und Mythen eine große Rolle.  Danach besteht der Mensch nicht nur aus Fleisch und Blut, sondern besitzt auch eine unsterbliche Seele mit einem unsterblichen Geist aus Gott. Seele und Geist können von uns leider weder gesehen noch gemessen werden. Deswegen sind die Menschen mit ihrem Wissen darüber auf  Religionen und Mythen angewiesen. Aber auch unvoreingenommenes Nachdenken mithilfe eines klaren Verstandes ist hilfreich und dann kann aus dem Glauben auch eine Glaubensgewißheit werden.
 
Die Begriffe Geist und Seele sind nicht einheitlich definiert. Viele Menschen wissen gar nichts damit anzufangen, obwohl diese Begriffe in fast allen Sprachen existieren, in fast allen Religionen Geister und Seelen vorkommen, es auch einen Seelenarzt (=Psychiater) und einen Seelen-Gelehrten (=Psychologen) gibt und keiner "geistlos" genannt werden möchte. Diese Namen stammen aus Zeiten, wo man noch gläubiger war. Viele akzeptieren immerhin noch, daß der höchste Geist Gott ist. Gott ist weise, allwissend, kennt unsere Gedanken und ist überall für die Gläubigen aber nirgendwo für die Ungläubigen. So hätten wir schon eine Vorstellung vom Geist. Er hat etwas mit der Welt der Gedanken zu tun, mit Intelligenz und Verstand und Bewußtsein. Er ist grenzenlos und deswegen gestaltlos und unbegreifbar. - Gott ist außerdem die Liebe. Diese ist zwar auch unsichtbar wie die Gedanken aber immerhin ist sie wohltuend spürbar für den, den sie trifft, und sie bildet nicht zuletzt die Grundlage allen Lebens. Dieser Aspekt Gottes gehört zur Seele. Seelen haben eine Gestalt. Sie sind aber für Menschenaugen unsichtbar. Sie sind nur für jene Wesen sichtbar, welche auf derselben oder einer höheren Entwicklungsstufe stehen oder wem sie sich auf unteren Ebenen zeigen wollen. 
Das große unendliche Gottwesen ist Quell und Heimat aller Geister und Seelen. Es ist das Reich der Gedanken und Gefühle und all dem, was damit zusammenhängt. Es umfaßt Intelligenzen, Ideen, Fantasien, Bewußtsein ebenso wie Emotionen aller Art.  Sichtbar wird uns Menschen das an sich unfaßbare Gottwesen nur in seinen wunderbaren Schöpfungen. Geradezu existent wird das Gottwesen aber in seinen erwachsenen "Kindern", in den Söhnen Gottes und den Töchtern der Gottheit. Jesus sagte: "Wer mich sieht, sieht den Vater(-Gott)." Menschen haben die Möglichkeit, solche Gottes-Existenzen zu werden, doch nur wenige wollen und schaffen das. Im Neuen und Alten Testament steht, daß wir alle (potentielle) Götter sind - aber wer weiß das schon?!
Gott ist nicht Einer sondern Zwei: Gott und Gottheit!  So darf es nicht verwundern, daß es Töchter und Söhne Gottes gibt. Laut Sirach 42,24 im Alten Testament schuf Gott auch alles zweifach, sich gegenüberstehend und ergänzend, damit es Bestand hat und den Menschen schuf Gott in Moses 1 als seine Ebenbilder, nämlich als Mann und Frau. Sie ergänzen sich zu einer Schöpfungseinheit und können auch Kindern das Leben schenken. Die Engel oder Existenzen Gottes aber können weitaus mehr "auf die Beine stellen", wahre Wunder vollbringen.


Woher kommen die Geister und Seelen der Menschen ?

Die Geister stammen von Gottes männlichem Geist, die Seelen von seiner weiblichen Seele, der Gottheit. Gott ist ein unendliches Wesen und besteht aus zwei Kräften vergleichbar Ur-Yin und Ur-Yang. Gottes Gedanken, Ideen und Wünsche nimmt die Matrix der Gottheit auf wie Samen und gestaltet sie. So entstanden und entstehen alle Schöpfungen. Die Kinder Gottes sind immer Paare aus Gottes Geist und der Seelenmatrix der Muttergottheit. Söhne Gottes erhalten ihren Geist direkt aus dem väterlichen göttlichen Quell, ihren Seelenanteil aber bekommen sie über die Töchter der Gottheit (z.B. den Leib auch nur über die Mutter). Die Töchter der Gottheit erhalten ihre Seelen direkt von der Gottheit, den Geist aber übernehmen sie von den Söhnen Gottes (Daher die Behauptung: Der Mann ist das Haupt der Frau). Der männliche Geist benötigt ein weibliches Seelenkleid, denn sonst  wäre er gestaltlos wie Gottes Geist und hätte keinen Bestand.  Die weibliche Seele hat per se eine Gestalt, sie ist sogar selbst die Gestalterin des Geistes.  Den männlichen Geist erwirbt sie sich durch Wissen und Erfahrungen. Der Geist eines weisen und guten Mannes ist für eine Frauenseele wie eine lichte Lebens-Sonne. Strohfeuer und Irrlichter bringen dagegen Enttäuschungen und Leid. Da weibliche Vollseelen Geistiges anziehen und gut speichern können, werden sie jedenfalls immer wissender und manche nach und nach weise.
Die anfänglichen Zwillinge sind unterschiedlich. Zum Beispiel ist der männliche Zwilling mehr geistig veranlagt und erfinderisch, sie wirkt dagegen mehr künstlerisch gestaltend und ist normalerweise sehr kommunikativ veranlagt. Beide Zwillinge ergänzen sich gewöhnlich gut. Was dem einen fehlt, hat der andere. Sie können wir Anima nennen, ihn Animus. Sie sind zusammen schöpfungsfähig. Beim Menschen sieht man das schon an der möglichen Elternschaft. Himmlische Paare - in Religionen meist als hohe Engel bezeichnet - sind dagegen echte Schöpferwesen und gelegentlich wahre Gottesexistenzen. Was sie erschaffen hat Bestand und vergeht nicht. Alle Menschen sind berufen einmal so zu werden... doch der Weg ist beschwerlich, wird nicht geschenkt und findet am Baum der Erkenntnis statt.


Die Weiterentwicklung der Kinder Gottes


Wie es weitergehen kann, soll an einer Geschichte bildhaft geschildert werden. Es ist nur eine Möglichkeit. Aber so oder so ähnlich geht es, wobei man allerdings berücksichtigen muß, daß jedes Gotteskind, jeder Zwilling etwas Einmaliges ist. Keins gleicht dem anderen. Die Charaktere sind unterschiedlich und sie entwickeln sich unterschiedlich. Es gibt Zwillinge, die sich lieben und lange zusammen bleiben, es gibt aber auch solche, die sich sofort trennen. Es gibt Söhne und Töchter, die zu Gott wollen und solche, die sich von der Heimat abwenden usw.. Also ist dies hier nur eine Möglichkeit:

Die neugeschaffenen Zwillinge leben zunächst wie Kinder im Kindergarten Gottes als Jungen und Mädchen zusammen. Sie haben selbstverständlich noch keine Kenntnisse über die großen Schöpfungswelten außerhalb des göttlichen Kinderreiches.  Begriffe wie "gut" oder "böse" gibt es nicht. Sie sehen aber mit ihren Geistesaugen andere Geistwesen und beobachten, daß einige in seelische Wasser als Kinder abtauchen und später wieder erwachsen aus diesen zurückkehren und zwar größer, reicher und mit einem strahlenden Seelenkleid angetan. Das verstehen sie nicht, doch sie wollen verstehen. Deswegen gehen sie auch zu diesen unteren Seelenwassern, um zu werden wie die zurückkehrenden Großengel. Sie fragen die Heimkehrer und erhalten die Antwort, daß sie da unten am Baum der Erkenntnis wachsen können. Man kann dort Gott in sich finden, man kann sich aber auch verirren und muß dann viel Leid erfahren. Der Baum der Erkenntnis sei eine große Schule der Geistwesen, jener Gotteskinder, die erwachsen werden wollen. Das junge kindliche Paar versteht nicht viel, denn es kennt noch nichts, hat noch nie das Licht erkannt durch bewußt erlebte Dunkelheit, nie die Wärme erkannt durch bewußt erlebte Kälte, geschweige denn Liebe und Macht. Es hungerte sie aber nach dem Erwachsenwerden und neuem Erkenntnis- und Gefühls-Reichtum. Sie wollten da auch mitmachen und solche Großengel werden!

Am Tor vor den unteren Wassern steht ein Wächter, der sie aufklärt, daß - wenn sie durch den Vorhang des Vergessens gehen - jeder von ihnen ein spezielles Seelenkleid erhält, damit sie in diesen ihnen ganz fremden Seelen-Wassern leben und Erfahrungen sammeln können. Nur so könnten sie das Geheimnis der Liebe und des Lebens wirklich erfahren und ihr gewünschtes Ziel erreichen, sei es was auch immer.  Auf dem weiteren Weg würden sie bewußtseinsmäßig immer mehr getrennt werden und nach und nach alles vergessen. Aber sie haben die Chance, das zu werden, was sie wollen. Jeder wird schließlich auf einer Erde in ein weiteres Kleid eingekleidet, in ein beschwerliches, materielles Kleid voller Bedürfnisse. Darin werden sie die wichtigsten Phasen ihrer Persönlichkeitsbildung erleben, Liebe und Leid und auch den Tod kennenlernen. Dort bestimmen sie, welchen weiteren Weg sie gehen wollen. Viele kehren nicht mehr zurück, sondern wenden sich von den Himmeln Gottes, ihrer ursprünglichen Heimat, ab, finden andere gleichgesinnte Partner oder Partnerinnen, bilden ihre eigenen Himmel,  ohne jedoch dauerhaft zufrieden zu werden.

Jetzt verzagen beide, weil sie nicht verstehen, daß sie getrennt werden von ihrem Geistgefährten. Manche Zwillinge haben sich von Anfang an sehr lieb. Da antwortete der Wächter-Engel, daß sie nur bewußtseinsmäßig getrennt werden und daß die so erfahrene Trennung nur solange andauert, bis sie das Wesen der Liebe kennengelernt und sich zueigen gemacht haben. Wenn sie die Gott-Eltern  gefunden und erkannt haben und diese lieben, dann werden sie wieder zusammen geführt - denn wie er so sieht - lieben sie sich schon jetzt sehr und es dürfte kein Problem für beide sein, wieder in Größe und Herrlichkeit zusammen zurück zu kommen. In Gottes Liebe werden sie sich alle wiederfinden und als Großengel werden sie mit allen, die sie lieben, jederzeit bewußt in Verbindung treten können. Sie werden außerdem immer nur dahin kommen, wo sie ihre Liebe, ihr Wollen hinzieht.  - Sie faßten nun Mut, denn es klang verheißungsvoll, die Macht der Liebe kennen zu lernen und erwachsen zu werden und einmal zur göttlichen Familie der großen mächtigen Engel gehören zu dürfen.

Kaum waren sie durch den Vorhang gegangen, stehen sich die Zwillinge zum ersten Mal als junger Mann und als junge Frau gestaltlich gegenüber in einer ungewohnten Welt aus kühlem Dämmerlicht, unbekannten Gestalten und Formen. Zurückschauend erschraken sie zum ersten Mal, denn das Tor war nicht mehr zu sehen.  Es gab kein Zurück, nur noch den Gang durch diese fremden Welten, in denen ein unangenehmer Wind blies.  - Was werden sie erleben und zu bestehen haben?!  Ein beklemmendes Gefühl beschlich sie. Sie blickten sich an, fühlten sich zueinander gezogen und das Gefühl aufkommender Angst wich einem beseligenden Gefühl der Zuneigung. Doch als sie sich einander näherten, fielen sie plötzlich in einen tiefen Schlaf, noch bevor sie sich berühren konnten. - Als sie dann nach einiger Zeit wieder erwachten, fanden  sie sich allein wieder - ohne den Gefährten, ohne die Gefährtin. Zum ersten Mal erlebten sie das Gefühl des Verlassenseins, der Trennung, des Kummers und Schmerzes. Ein Bild im Herzen erinnerte sie noch an den lieben Geistbruder bzw. die liebe Geistschwester.  Aber auch das Bild verschwand, je mehr sie daran dachten und es festhalten wollten. Nun fühlten sie sich zum ersten Mal richtig allein und aus den Augen rannen zum ersten Mal Tränen. Es blieb ein ziehendes Gefühl in der Brust und verließ sie in den kommenden Zeitläufen und Inkarnationen nie mehr. Es nennt sich Sehnsucht. Ab jetzt suchen sie die bessere Hälfte, die Ergänzung, den fehlenden Partner, die fehlende Partnerin, den Prinzen, die Prinzessin und finden auch tatsächlich viele . . . sympathische und unsympathische. Sie verbinden sich mit vielen freundschaftlich, mit einigen ehelich und gewinnen jedesmal neue Erkenntnisse. Doch das einzig Beständige in den unteren Wassern ist die Unbeständigkeit und so suchen sie weiter und klettern Erkenntnisstufe um Erkenntnisstufe höher und werden endlich auch reifer und erwachsen - fähig eine harmonische Ehe mit einem ebenso reifen und passenden Partner zu schließen. Erst dann können sie wie die Gotteltern schöpferisch tätig werden und bis hin zur Gottesexistenz weiterreifen. - Die Wege dahin sind sehr unterschiedlich, ganz individuell und viele enden in Sackgassen. Nur wenige führen zum einst anvisierten Ziel. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich oder auch seine Hölle. Es gibt viele, die statt Liebe zum Nächsten nur Liebe zu sich selbst haben. Diese gehen andere Wege und bilden eigene Himmel, die die anderen Hölle nennen.

Teil 2 - Wege der Seelen