Was ist Demut ?

Gerade von frommen Kirchen-Christen wird dieser Begriff oft in den Mund genommen. Sie akzeptieren vieles klaglos, wo andere aufbegehren oder sich wehren. Sie sprechen: "Der Herr wird es schon richten.", "Er wird uns schon recht führen!", "Er wird es schon machen!", "Überlassen wir es Jesus!" oder "Wir sind viel zu unwürdig und können selbst nichts tun!" usw...... Sie beten und geben hier und da gerne eine kleine Spende, womit sie sich gerecht und gut vorkommen, ohne sich besonders anstrengen zu müssen. Die demütige ergebene Haltung, die Spende und die Unterstützung der Armen sind auch ganz im Sinne der Kirchen, die diese Einstellung schon immer förderten: "ora et labora!" = "bete und arbeite!" oder "spende!", "zahle Ablässe!" usw.. obwohl es richtiger heißen müßte: "vigila et ora", d.h. "wache und bete!" - aber das brachte ja nichts ein.

Demut ist wichtig. Die wenigsten Christen wissen, was Demut wirklich bedeutet. Demut hat nichts mit Unterwürfigkeit zu tun, auch nichts mit Gehorsam gegenüber Staat oder Kirche, siehe Vorbild Jesus, seine gewaltsamen Tempelreinigungen mit Peitschenhieben und Seine neue Lehre, die Staat und Tempel mißfielen. Jesus diente nur Gott, nicht der äußeren Kirche, nicht dem Staat! Seine Demut galt nur Gott, denn
"Demut ist eine religiös geprägte Geisteshaltung, bei der sich der Mensch in Erkenntnis der eigenen Unvollkommenheit dem göttlichen Willen unterwirft." - Das bedeutet:

1. Zurückstellung eigener Interessen und
2. ernsthafte Anstrengung, nach dem erkannten Willen Gottes zu handeln.

Beide Punkte übersehen viele geflissentlich. Zudem kennen die wenigsten Menschen den Willen Gottes wirklich. Und wenn sie ihn kennen, so ist ihnen dessen Umsetzung meist zu unbequem: "Geistige Schätze sammeln ?! Sich um das Reich Gottes bemühen ? Böses mit Gutem vergelten ? Die eigenen Fehler erkennen und sich bessern ?"

Freilich hatte die Kirche in den letzten Jahrhunderten die Demut immer wieder in den Mittelpunkt ihrer Lehre gestellt, weil sie sich auf diese Weise ihre Schafe leichter untertan machen und zu vielen Diensten heranziehen konnte. Als angebliche Vetreterin Gottes auf Erden beanspruchte sie für sich die Demutshaltung ihrer "Schafe". Selbstverständlich sollten die Menschen in den Kirchen auch nicht selbst das Wort Gottes, die Bibel, lesen. Das Recht behielten sich die kirchlichen Amtsträger vor. Andernfalls hätten die Gläubigen sicher erkannt, daß vieles, was von der Kanzel herunter gepredigt wurde, eben nicht der erklärte Wille Gottes sein konnte. Auch hätte so mancher eifrige Leser in der Bibel Stellen wie diese gefunden:

Kor 14,1 Trachtet nach der Liebe, bemüht euch aber auch um die Geistesgaben, am meisten jedoch darum, dass ihr prophetisch zu reden vermöget.

Prophetisch reden zu können setzt die Liebe zu Gott und dem Nächsten voraus, ja mehr als dies: Die Liebe zu Gott muß sich darin ausdrücken, daß man seinen Willen aus Liebe zu ihm gern tun. Daraus wiederum erwächst eine innere Verbindung zu Gott in der Art, daß mit diesem Menschen Gott spricht handelt. Seine Worte sind dann prophetisch, aus Gott. Wie Jesus sagte: "Wer mich sieht, sieht den Vater.", kann der Betreffende auch sagen: "Wer mich hört, hört den Vater."

Gottes Aufforderung in Korinther 14, Vers 1 war und ist der alleinseligmachen wollenden Kirche nicht so recht. Denn Paulus ermuntert hier ja die Menschen auf, selbst Kontakt mit Gott aufzunehmen unter Umgehung der irdischen Instanz "Kirche" oder "Tempel". Begnadete Menschen wie Hildegard von Bingen oder der "Schreibknecht Gottes" Jakob Lorber oder Emanuel Swedenborg hatten das sogenannte "Innere Wort" und schrieben prophetisch ganze Bücher, diktiert von Gott sozusagen. Sie hatten also die innere bewußte Verbindung mit Gott bzw. dem Christusgeist.  Sie schrieben auch gut verständliche Erläuterungen der Bibelworte unter Umgehung der Kirchenämter, was diesen freilich nicht gefiel. Durch Jakob Lorber bestätigte Gott die Aussage von Paulus etwa so:

"Das, was nun lediglich Mein irdisch sehr armseliger Knecht tut, das sollen eigentlich alle Meine wahrhaftigen Bekenner tun können; denn allen gilt des Evangeliums Wort: Ihr müsset alle von Gott gelehrt sein: Den nicht der Vater ziehet, der kommt nicht zum Sohne!" [aus Gottfried Mayerhofers Schöpfungsgeheimnis, anz,04]

und

"So sprach der Herr zu und in mir (Jakob Lorber) für jedermann, und das ist wahr, getreu und gewiß: 01] »Wer mit Mir reden will, der komme zu Mir, und Ich werde ihm die Antwort in sein Herz legen; jedoch die Reinen nur, deren Herz voll Demut ist, sollen den Ton Meiner Stimme vernehmen." [Jakob Lorber: Haushaltungen Gottes 1, 1]

Die Demut, im letzten Vers noch einmal angesprochen, verlangt also, daß ein jeder, der Gott sucht und liebt, sich auch bemüht, mit Ihm zu sprechen. Mit der Verheißung: Wer es ernsthaft und gläubig tut, wird auch eine Antwort erhalten. Eine Antwort wohlgemerkt von GOTT! - Wer aber sagt:"Das ist nichts für mich, denn ich bin ja viel zu unvollkommen, der hat das Ganze nicht verstanden oder ist nur fleißig in Ausreden für seine Bequemlichkeit. Als Gotteskind ist er berufen, eine Verbindung mit seinem Vater im Himmel anzustreben. Wer will ihm das verbieten oder vermiesen durch eine falsche Auffassung des Demuts-Gebotes?!