Buddha und die Tiere


Buddhas 12 TiereAls Buddha sich anschickte, die Erde zu verlassen, rief er alle Tiere zu sich, um sich noch  von ihnen zu verabschieden. - Doch die Tiere waren weit weg von ihm und sie sagten: "Was interessiert uns der alte Buddha mit seinen unbegreiflichen Lehren. Der weite Weg lohnt sich nicht!" - So sah es eine Zeitlang aus, als ob niemand Interesse habe, Buddhas Einladung Folge zu leisten, und er war betrübt.

Die kluge und neugierige Ratte aber dachte dann bei sich: "Ei, ich will zu Buddha gehen ! Seine Weisheiten haben mir schon immer gefallen und wer weiß, ob er diesmal nicht einen besonders nützlichen Rat gibt." - Da sie aber zu den kleinen Tieren zählte und der Weg zu weit war, überredete sie den großen Büffel mit zu Buddha zu gehen. Der Büffel brummte unwillig:" "Als Vater der Herde habe ich viel Verantwortung und nur wenig Zeit und möchte hier bleiben.". Doch dann besann er sich eines Besseren und dachte: "Eigentlich steht es aber gerade mir zu, sogar als Erster bei Buddhas Abschiedsfeier zu sein und so will ich doch hingehen." Und zur Ratte sagte er laut: "Also setz dich auf meinen Rücken, wenn es dir beliebt, wir wollen hingehen !" Der Büffel aber zeigte keine besondere Eile und fraß auf den verschiedensten Weiden genüßlich das fette Gras und legte sich dann auch noch öfters zum Verdauen und Ausruhen hin. Die Ratte jedoch trieb ihn immer wieder zur Eile an und er erhob sich dann rasch wieder die kleine Ratte auf seinem riesigen Rücken weitertragend. Als sie endlich Buddhas Haus vor sich sahen und saftige Weiden daneben, wollte der Büffel wieder eine kleine Pause machen. Doch da sprang die Ratte vom Büffel hinweg schnurstracks zu Buddha hin. Dieser war hocherfreut, daß es doch noch Tiere gab, die ihn nicht vergessen hatten, und versprach nun allen, die noch kommen würden, ein Geschenk. Die Ratte aber sollte zum Lohn für ihre Treue und Mühe den ersten aller Preise erhalten. Erfreut rief diese dem nachtrottenden Büffel die frohe Botschaft zu. Der brummte gemütlich: "Eigentlich stünde ja mir als Anführer einer großen Familie der erste Preis zu, aber ohne dich wäre ich wahrscheinlich nie hierher gekommen und so bin ich denn mit dem zweiten Platz auch ganz zufrieden."

Auf seinen Streifzügen durch Wälder und Auen hörte der verwegene Tiger davon von den geschwätzigen Spatzen und beschloss nun ebenfalls der Einladung Buddha´s zu folgen. Seine kleine Schwester aber, die Katze, bat ihn sie mitzunehmen, denn für sie allein sei der weite Weg zu beschwerlich und zu gefährlich. Er war damit einverstanden und so schloss sich die kleine Katze ihrem großen Bruder an, der sie bei längeren Strecken auch auf seinem Rücken schnell weitertrug. - So langten der Tiger und dicht hinter ihm die Katze als drittes und viertes Tier bei Buddha an. Auch diesen versprach letzterer eine Belohnung.

Der geistvolle Drache war der Kaiser der Tiere. Ihm wurde gemeldet, dass einige Tiere  Buddhas Ruf gefolgt waren und sogar eine Belohnung erhalten hatten.  Überrascht über diese eigenwilligen Untertanen rief er seine zwei Minister herbei: Die weise Schlange und das unternehmungslustige, eloquente Pferd. Von ihnen wollte er wissen, was da zu machen sei. Sie rieten ihm, dass er als Herrscher der Tiere selbstverständlich nicht fehlen dürfe bei Buddhas Abschied. Der Drache gab daraufhin seinem Hofstaat sein Vorhaben kund und ordnete alles Nötige für seine Abreise zusammen mit dem Pferd und der Schlange an. Das hörend sprang des Pferdes kleine Schwester, die artige Ziege, herbei und bat mitgehen zu dürfen zum Buddha, was gnädig erlaubt wurde.

Auf einem Baum lauschend bekam das alles der pfiffige Affe mit. Aufgeregt über diese Neuigkeit schwang er sich von Baum zu Baum bis ins nächste Dorf und verkündete laut den Haustieren, was da Großes sich am kaiserlichen Hof tut, und dass sie doch auch zum Buddha gehen sollten, denn es winke sogar ein großzügiges Geschenk. Alle seien eingeladen, kein Tier sei ausgenommen. Der stolze Hahn erkannte seine Chance, machte sich reisefertig, die eleganteste Garderobe anziehend, doch zögerte er allein zu gehen. Der Affe war schon vorausgeeilt, weil die Zeit bei Buddha drängte. Der Hahn bat deswegen den treuen Hund, ihn auf dieser  gefahrvollen  Reise als Schutz zu begleiten.  Was der brave Hund auch gerne tat. Allen anderen Haustieren war der Weg zum Buddha aber  zu weit.

Doch kaum hatten Hahn und Hund das Dorf hinter sich gelassen, da besann sich das ehrliche Schwein doch noch, dass es eigentlich auch das Geschenk Buddhas haben wollte. Es rannte den beiden hinterher und  hatte schon Angst sie nicht mehr zu finden. Doch das Schwein hatte Glück, es fand Hahn und Hund und schloss sich den beiden an. Zu Dritt gelangten sie bei Buddha noch rechtzeitig an.

Buddha begrüßte die 12 ihm noch treu gebliebenen Tiere und sagte, dass er die Welt jetzt verlassen werde. Als Dank für ihre Treue erhielte aber  jedes der erschienenen Tiere folgendes ewig währende Geschenk:

Jedem Lebewesen, das auf Erden ab jetzt geboren wird, solle fortan bei Geburt der Charakter eines der 12 Tiere in seine Seele eingeprägt werden. Es solle ein Leben lang unter dessen Zeichen stehen.  Anführen solle diesen jährlich wechselnden Reigen der Tiere die Ratte, weil sie als erstes Tier erschien.  - Buddha segnete daraufhin die 12 Tiere und verließ die Welt.

Es stand aber um diese Zeit der 1. Neumond des beginnenden Jahres im Sternzeichen des Wassermannes und so erhielt alles, was geboren wurde bis zum nächsten Wassermann-Neumond, den Charakter der klugen Ratte. Als dann das erste Jahr als das "Jahr der Ratte" abgelaufen war, begann mit dem ersten Neumond im Wassermann das Jahr des Büffels, und alle Tiere, die in diesem Jahr geboren wurden, erhielten den Charakter des Büffels. So bekamen alle zwölf Tiere nacheinander ein Jahr für sich und als 12 Jahre vorüber waren, begann ein weiterer Zyklus wieder mit einem neuen Jahr der Ratte. So ist es heute noch und wird noch ewig so bleiben.

Daraus entwickelte sich bei den alten Völkern des Ostens der uns bekannte chinesische Kalender und auch das chinesische Horoskop. Doch hat diese Sage auch noch einen tieferen Sinn, jeden einzelnen Menschen betreffend....